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Datum: 24. September 2011

Ort: Taunus

21:15 bis 01:45
GG: <5m5

ca. 12° diesig, Schleierbewölkung

Schon länger musste ich auf Begleitung bei einer Beobachtungsnacht verzichten, um so glücklicher war ich, als während meines Aufbaus nicht nur Jan wie abgesprochen am Beobachtungsort vorfuhr, sondern sich kurz darauf auch noch Andreas zu uns gesellte, endlich mal wieder eine Nacht die man gemeinsam mit Beobachtung und Fachsimpeleien verbringen kann :)

Nachdem ich vor wenigen Tagen meinen Fangspiegel auf Federn umgebaut hatte, war die Justage mit Jans Laser eine Sache von Sekunden wie sich das eigentlich auch gehört und die Sternabbildung mag das ganze Jahr noch nicht so gut ausgesehen haben. Der Himmel hingegen sah dieses Jahr schon des öfteren merklich besser aus als heute, der Siff zog sich locker bis 30° Höhe und auch im Zenit konnten wir uns leider nicht auf 6mag und darüber freuen. Von daher war die Objektauswahl zumindest theoretisch arg beschränkt, da hielt uns aber natürlich nicht davon ab auch Galaxien anzusteuern ;)

Den Auftakt bildete bei mir M13 und M57, beide waren heute nicht ganz so stark auf der Brust, aber zumindest das Seeing war in einigen Momenten durchaus brauchbar, so dass sich M13 auchmal mit über 300x durchaus anschauen liess!

Jan übernahm dann kurzerhand den Dobson um Caldwell 5, IC342 eine Galaxie in CAM aufs Korn zu nehmen. Nach einigem Gestochere wurde er auch tatsächlich fündig. Ich muss zugeben, dass ich immense Mühe hatte die Galaxie sicher zu sehen, ich konnte sie erst beim Fieldsweeping unter genauer Positionsangabe wahrnehmen, aber sie spottete definitiv ihrer Kataloghelligkeit von 9m1, da hatte ich (unter anderem Himmel) schon 14m Galaxien die einem im Vergleich ins Auge hüpften! Andreas hatte dieselben Schwierigkeiten und ich denke einfach, der Himmel brach in diese Richtung böse ein was die Transparenz anging - wird aber vermerkt und bei besserem Wetter nochmal besucht :) Nicht umsonst heisst diese Galaxie auch umgangssprachlich "The Hidden Galaxy" a.) wegen der starken Extinktion durch die Milchstrasse und b.) wegen ihrer Lage in einem Sterngewurschtel...

Um dem Frust der schlechten Transparenz zu entgehen, verlagerte ich mich kurzerhand auf einige Sternhaufen, darunter natürlich die Prachtexemplare h+x, aber auch den alten immer wieder beeindruckenden Sternhaufen NGC 7789, M34, M103 und dergleichen. Zusammen mit Jan besuchten wir dann noch den Katzenaugennebel NGC 6543, der dank der schlechten GG nicht ganz so zügig im Okular war, dann aber als strahlend heller Gesell auch höchste Vergrösserungen erlaubte, allerdings ohne Details...

Sehr erstaunt und auch leicht bestürzt war ich über den Vergleich von Jupiter (der einen fantastischen Mondschatten zeigte!) in unseren fast identischen Geräten von mir und Andreas, jeweils mit 187x (auch mit verschiedenen wechselnden Okularen) zeigte sich das Bild in meinem Teleskop merklich heller und dadurch kontrastärmer - da er mit der leichteren Reiseversion tendentiell MEHR Streulichtprobleme haben müsste als bei meinem üppigeren Hut und Spiegelbox (beides natürlich velourisiert) kann das eigentlich nur von Streulicht vom Spiegel selber herrühren, meiner ist ja ziemlich stark durch unentfernbaren Pollenmist verschmutzt, bei Deepsky sah ich da nie Unterschiede aber am strahlend hellen Jupiter merkte man den Unterschied direkt. Eine andere Vermutung, die mir danach noch kam ist, dass meine FS-Kante im Gegensatz zu ihm nicht geschwärzt ist, ich weiss allerdings nicht ob das den Ausschlag gibt.

Als Andreas gegen 1 Uhr leider abbauen musste, machte ich mich nochmal an die inzwischen fast maximal hoch stehende Andromedagalaxie, nicht ohne aber vorher NGC 404 (Mirachs Geist) zu besuchen, im Gegensatz zur praktisch gleich hellen IC 432 ist hier kein "404 not found" angesagt ^^ ist aber auch kleiner und kompakter aber dementsprechend auch sofort auffällig "unterhalb" von Beta And. Alsdann ging es die letzten Grad hoch zu M31 nebst Begleitern, dafür dass der Himmel so intransparent war (zumindest abseits des Zenits) fand ich sie heute durchaus ansprechend, ein Staubband war sogar recht auffällig. M33 war ebenfalls in Sekunden im Okular, aber diese Galaxie zeigte nochmal ganz deutlich, dass der Himmel heute einfach nicht stimmte.

Auch NGC 7331 nebst Stephans Quintett schwebten da in exponierter Lage hoch im Süden und tatsächlich war es in diese Richtung und Höhe durchaus lohnend, wir blieben zwar bei eher moderaten Vergrösserungen aber es war vor allem in Sachen SQ (ein Galaxienhäufchen mit dem ich seit Jahren eine persönlich Fehde führe) besser als in manch anderer Nacht :)

Als der Orion so langsam über die Bäume kroch war es dann auch für uns Zeit abzubauen, die Cirren wurden auch eher mehr als weniger, trotzdem werde ich die Nacht in guter Erinnerung behalten, Spass ist wenn man trotzdem lacht und eine gelungene Nacht MUSS nicht zwangsläufig von der Grenzgrösse abhängen wenn man nur mit den richtigen Leuten in der richtigen Stimmung zusammen auf dem Feld steht ;)

Auf dem Heimweg fuhr ich dann gegen 2:10 Uhr doch nochmal an den Strassenrand um eine (naja zwei) letzte Aufnahme vom über den Horizont kletternden Orion zu schiessen, inzwischen war ich natürlich schon wieder sehr viel näher am Rhein-Main-Gebiet vor allem fotografierte ich genau in diese Richtung, aber ich finde es hat trotz der Lichtverschmutzung seinen ganz eigenen Charme.