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Datum: 14.Oktober

Ort: Hochtaunus

Zeit: 21 Uhr bis 1:45 Uhr

Grenzgösse: fst 6m1 (Umi)

Wetter: dunstig bis etwa 20°

Gerät: 12" f/5 10" f/5

Das war nun wirklich eine lange Durststrecke bis zu dieser Nacht, einer der schlechtesten September die ich in Erinnerung habe...

Nach kleiner Odysee wegen einiger Baustellen traf ich Jan gegen 21 Uhr an unserem Platz im Hochtaunus (520m ü.N.N.), es war klar wenn auch etwas schmierig, zumindest in höheren Regionen sollte sich der Himmel aber als durchaus gut erweisen, während die unteren 20-25° zu dunstig und aufgehellt blieben. Völlig aus der Übung dauerte es ein Weilchen bis die beiden Autos entladen und die Teleskope, Tische, Stühle und Köfferlis zum etwa 70m entfernten Beobachtungsplatz getragen waren. Es war uns klar, dass es in jedem Fall eine Nacht wird in der schon Winterkluft zur Pflicht wird. Nach vielen Lagen Stoff ging es dann los :) Zur Stärkung leere ich erstmal mein obligatorisches Glas Heidelbeeren bevor mir das noch zufriert.

Jan und Bettsie zu Beginn der Nacht

Um zu schauen ob ich nicht alles schon wieder verlernt habe schwenkte ich die Reste des Sommers an, M13 konnte zwar noch beeindrucken aber war schon von seinen Glanzlichtern in Zenithöhe entfernt, Ring- und Hantelnebel waren da noch dankbarere Objekte - herrlich ich habe es ernstlich vermisst die letzten Wochen! Im Schwan gab ich mir den OH NGC 6910 in verschiedenen Vergrösserungen bis 150x. M71 war ein feiner Sternnebel, gar nicht mal übel für den Stand.

Nun hatten wir aber (seit langem!) auch mal wieder ein Beobachtungsprogramm auf die Beine gestellt. Schon seit einige Tagen trugen wir Informationen zu einer Reihe von Galaxien zusammen, die möglichst viele Galaxien der Hubblesequenz abdecken sollten! Gar nicht so einfach wie man denkt, sind doch gerade die Spiralgalaxien in der erschlagenden Mehrheit, so dass wir für einige Typen elliptischer Galaxien schon auf dunklere Gesellen zurückgreifen mussten - vor allem weil wir sie auch in einem relativ eng begrenzten Bereich des Herbsthimmels zusammensuchten. Herausgekommen ist eine nette Liste, die sicher auch nochmals überarbeitet werden wird. Natürlich sind auch viele bekannte "Gesichter" dabei ;) Die visuelle Klassifizierung ist dabei in der Überzahl der Fälle natürlich mit Öffnungen unter 20" nicht möglich...

Als Startpunkt der Tour bietet sich die Andromedagalaxie an, mit M31, 32 und M110 hat man hier gleich drei verschiedene Galaxientypen in mehr oder weniger einem Gesichtsfeld. M31 die Sb Spirale und M32 und 110 als elliptische Begleiter der Klassen E2 bzw E5 (Messier 110 wird in verschiedenen Quellen mal als E5 mal als E6 klassifiziert, sie liegt von ihrer Morphologie wohl dazwischen!).

Ganz in der Nähe gibt es eine leicht zu findende und bekannte E0 Galaxie, das untere Spektrum der elliptischen Galaxien. Mirachs Geist NGC 404 der bekanntermassen direkt bei Beta And steht ist somit schnell im Gesichtsfeld.

Weiter in die selbe Richtung gelangen wir zur allseits bekannten Messier 33, eine Spiralgalaxie vom Typ Sc. Das HII Gebiet NGC 604 ist gut zu sehen, ebenso wie der sich in diese Richtung windende Spiralarm. Ebenfalls in der Nähe die "Spindel" NGC 891 in Andromeda die heute ebenfalls erstaunlich gut zu sehen ist, edge on Blick auf eine Sa Galaxie.

Ein grosser Sprung über die Skala der elliptischen Galaxien hinaus führt uns zu einer ansehnlichen Balkenspirale die durch ihre Störungen sogar Einzug in Arps Liste gehalten hat.. Die Rede ist von der relativ hellen und schön gelegenen NGC 1023 (Arp 135) im Perseus vom Typ SB0, besonders schön finde ich bei dieser Galaxie die Lage innerhalb einer Sternenkette . Zwei nahe Verwandte, nämlich vom Typ SBc finden sich ebenfalls am Herbsthimmel, sowohl NGC 7331 im Pegasus als auch NGC 6946 in Cepheus (die Galaxie mit dem offenen Sternhaufen NGC 6939 in unmittelbarer Nähe) sind vom Hubbletyp SBc.

Das Bindeglied zwischen dem Ast der Spiralgalaxien, der Balkenspiralen und der elliptischen ist der Typ S0. Hier haben wir ganz schön gesucht, fanden dann eine Galaxie im Pegasus mit dem klangvollen Namen NGC 80... In Jans Triatlas war die Position gut festzunageln und so machte ich mich auf die Suche per Starhopping ausgehend von X Peg. Im Zielgebiet angekommen viel mir als erstes ein winziges Dreieck auf, das an Triangulum erinnerte, unweit davon, fast in "Zeigerichtung" dieses Dreiecks eine Aufhellung, gar nicht mal unauffällig. Drumherum sehen wir, vor allem Jan immer wieder "Fuzzies" aufblitzen, wir haben aber keine tiefergehenen Karten und ich halte es für schwach Sterne im Umfeld. Zu Hause sehe ich aber, dass NGC 80 die Hauptgalaxie der "NGC 80 Gruppe" ist und DSS zeigt hier eine Vielzahl von Galaxien von denen einige schon noch gut im Rennen wären! Stelle merken und wieder besuchen ;) Mir fällt abseits unserer Liste noch eine Galaxie ein, die als Irr(egulär) typsiert ist, die fantastische Messier 82. Wow, auffälligste Staubstrukturen obwohl gerade mal etwas von seinem tiefsten Stand erholt!

Halten wir die bisherige Liste noch mal fest (demnächst gehts natürlich weiter):

E0 = NGC 404

E1 = ... E2 = M 32 E3 = ... E4 = ...

E5 = M 110

E6 = ... E7 = ... S0 = NGC 80 Sa = NGC 891

Sb = M 31

Sc = M33 SB0 = NGC 1023 SBa = ... SBb = ...

SBc = NGC 7331 / NGC 6946

Irr = M 82      

Erwähnte ich schon, dass es kalt war? :D Die Colaflasche war bereits durchgefroren, Kamera schon nach kurzem nicht mehr einsatzbereit und als einziger Teil meines Körpers melden mir die Füsse, dass ich das zweite paar Socken vergessen habe, aber alles im Bereich des erträglichen... Als gute Investition beweisen sich die neuen Handschuhe, so genannte "Winterradlerhandschuhe" genau in der Mitte zwischen leichten Handschuhen und schweren Skihandschuhen, sie halten ausreichend warm und ich kann damit sowohl fokussieren als auch die Rändelschräubchen noch festziehen.

Meine Wenigkeit am Anfang des Abends nach dem Aufbau

Im weiteren lasse ich es wieder sehr entspannt angehen, Blick auf die Plejaden... huiiii die Reflexionsnebel, f*ck es sind mal wieder zugetaute Okulare - und von denen hatten wir an diesem Abend leider mehr als genug, oft waren nur wenige Minuten zwischen den "Betauungen", dank Jackentasche und Jans Okuwärmekoffer aber immer wieder schnell frei und die Fangspiegel blieben uns treu, obwohl der Tubus äusserlich bereits mit einem ansehnlichen Eispanzer überzogen war. Ich surfte eher nebenbei über die drei M Haufen in Auriga und dann der Abstecher zu M35 in den Zwillingen. Spasseshalber halte ich direkt in den Siff wo ich den Eskimonebel NGC 2392 vermute - Bingo! Das hätte ich jetzt gar nicht erwartet aber er ist direkt mit seinem "Zwillingstern" im Okular.

Im Taurus nehme ich mir etwas Zeit für Messier 1, aber weder verschiedene Vergrösserungen noch Filtereinsatz lassen Details erkennen. Es ist schon weit nach 1 Uhr, Jan leitet die Absackerrunde mit meinem Lieblingshaufen NGC 2169 ein. Dieser Anblick wird nie langweilig werden! Mein letztes Objekt wird erwartungsgemäss M42/43, erschreckend was hier wieder für Details zum Vorschein kommen, trotz des noch niedrigen Standes mitten im aufgehellten Dunst!

Also gehts nun an den Abbau einer sicher nicht optimalen aber wunderbaren Deepskynacht, vor allem freue ich mich auf die nun hoffenltich immer so knackig kalten, gerne aber noch klareren Nächte die anstehen ;)

 

© 2009 Benny Hartmann