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Das ATB 2008

Nachdem ich im letzten Jahr das ATB kurzfristig kippen musste ging es diese Jahr endlich hin, wenn auch nur für zwei Nächte von Donnertag bis Samstag. Mit im Gepäck Nils aus dem Hunsrück und natürlich unseren Newtons. Die Hinfahrt gestaltete sich ziemlich problemlos, auch wenn uns die Dauerbewölkung schon nichts gutes für die erste Nacht verhies. Kaum angekommen trafen wir auch gleich auf Günther und kurz darauf Franz und Armin die ihre Zelte schon direkt gegenüber unseres Platzes aufgeschlagen hatten. Das Gelände liegt wirklich genial und bei entsprechenden Bedingungen ist dort ein super Himmel möglich, ein grosses Lob an dir Organisatoren des ATB, die Stimmung ist völlig unabhängig vom Wetter prima gewesen, für den Magen und eventuellen Wetterfrust war dank guter Futterauswahl und reichlich Getränkelager zu günstigen Preisen gesorgt. Den Donnerstag Abend verbrachten wir so beim Erkunden des Geländes und dem Kennenlernen vieler Gesichter hinter den Namen die ich aus den Internetkontakten kenne. Die Hoffnung auf ein Aufreissen war vor allem bei Nils bis spät in die Nacht nicht klein zu bekommen :p Das wurde zwar leider nichts, aber wir verbrachten bis spät in die Nacht vor Franz Rechner um wenigstens virtuell einige interessante Objekte rauszusuchen und zu besprechen (zumindest die schon gesehenen) ...

Unser Zelt, am ersten Tag noch im Grauen Dunst

Freitags gings schon zeitig aus dem Zelt, Frühstück und nachdem am Vorabend die Instrumente bei leichtem Nieselregen alle abgedeckt oder eingepackt blieben den ersten richtigen Check. Günther nahm sich viel Zeit und organisierte zwei Concenter Kollimatoren um unsere beiden Newtons mal auf Herz und Nieren zu prüfen, bei mir war nicht viel zu tun, ich bin aber äusserst begeistert von dem Kollimator von Spheretec, man ist viel weniger auf die Genauigkeit des Lasers angewiesen und sieht wirklich sofort was nicht stimmt, bei Nils wurde noch ordentlich geschraubt únd das wurde dann auch durch eine nahezu perfekte Justage belohnt, das sah man auch später am Himmel. Endlich fand ich auch mal die Zeit einige einfache aber wichtige Basteleien zu erledigen, erst baute ich den OAZ aus um das Restshifting endlich wegzubekommen was auch fix ging. Die Skysurferbasis wurde zurecht geschliffen weil er bisher arg fest im Schuh sass und kaum rauszubekommen war... Blöderweise musse ich beim Abziehen so viel Gewalt anweden, dass die Justage danach wieder für die Katz war wie ich später feststellte.

Günther, Nils und Franz an unseren Geräten

Auf gar keinen Fall hab ich es verpasst mich mal intensiv über das Totaltuning von Günther's 8"er zu informieren, inzwischen ist sogar noch einiges hinzugekommen und das Teil ist wirklich verdammt durchdacht optimiert worden, laut Günther mögen manche Einzelmassnahmen keinen grossen Unterschied ausmachen, alles zusammengenommen bringen aber einen sehr stark sichtbaren Vorsprung vor Geräten von der Stange, davon konnte ich mich in der folgenden Nacht direkt überzeugen! Einiges werde ich sicher auch versuchen bei mir umzusetzen, total begeistert (das war ich zwar auch schon vorher aber seit dieser Nacht endgültig überzeugt) war und bin ich von der Kombination aus grossem Newton und richfieldiger Linse, ein kleiner Schwenk mit dem Kopf und schon wechselt man von der Übersichtsvergrösserung mit massig Feld in den Bereich in dem der Dobson klar dominiert. Nach dem mir Günther sein Gerät und die Umbaumassnahmen ganz genau erklärt und gezeigt hatte, wäre ich am liebsten gleich losgezogen um Material zu besorgen ;)

Dobtuning Total, nicht nur viel Bastelarbeit sondern auch ein hammerharter Unterschied am Himmel!

Gleich bei der Ankunft machten wir die Bekanntschaft mit Peter der uns ausgiebig von seinen Sonnenbeobachtungen erzählte, ich habe bis dato noch niemanden getroffen der so viele Sonnenfinsternissen live erlebt hat (17!!). Einfach nur fantastisch fand ich auch die schier unglaubliche Ausdauer die er bei der Sonnenbeobachtung im Weisslicht mit inzwischen 44 Jahren ununerbrochener täglicher Sonnenfleckerelativzahlen Zählung beweist, hier kann man schon wirklich nicht mehr von reinem Hobby sprechen, denn seine Daten und Diagramme zur Sonnenfleckenzahl über fast fünf Jahrzehnte sind schon von echtem wissenschaftlichen Wert. Als im Laufe des Freitags der Himmel aufbrach konnten wir auch einen Blick durch sein C5 auf die (leider immer noch fleckenlose) Sonne riskieren, ein schönes Gerät das er seit den Anfängen benutzt.

Peter am C5 bei der Weisslichtsonnenbeobachtung

Im Laufe des Tages wurden die sonnigen Lücken immer grösser und man merkte förmlich wie jeder immer mehr Hoffnung schöpfte, dass die Nacht gut wird und so wurden immer mehr Geräte aufgestellt und fertig gemacht.

Endlich die ersten Wolkenlücken

Franz mit einem speziellen Freund neben einem augenscheinlichen 8" f/8 Planetekiller

Mein erster Blick durch ein PST überhaupt wurde natürlich gleich durch die verwendeten Okulare etwas ausfallend. aber ich war in jedem Fall hellauf begeistert von der wenn auch kleinen Protuberanz und der Oberflächenstruktur der Sonne.

Das sieht nicht nur schön und teuer aus, das sieht auch richtig geil beim Durchschauen aus ;)

Nils Samstag Morgen an einem anderen PST aber ebenfalls mit Binoansatz

Nils hatte beim letzten ITV bereits Stefan mit seinem genialen 9" Binodobson kennengelernt und natürlich wollte er dort schnellst möglich hin da sich die beiden damals fürs ATB verabredet hatten, gleich gings ans Aufbauen und Nils packte ordentlich mit an. Das Teil ist unglaublich sauber verarbeitet und bis in die kleinste Ecke mit viel Liebe zum Detail perfektioniert worden, wie Stefan meinte, war das aber auch einen Heidenarbeit, wenn man das Gerät sieht kann es auch gar nicht anders sein :) Nils war die Nacht auch dort und hochgradig begeistert vom Blick durch 2x9", leider war er nach dem ersten Zuziehen des Himmels wieder abgebaut so dass ich selbst nicht durchschauen konnte.

Da packt Nils auch gerne mal mit an ;)

Der 9" Bino OWL Doppeldobson von Stefan

Ein weiteres sehr interessantes Teleskop am Platz war dieser 10" f/20 (also 5m Brennweite!) Schiefspiegler, in der kommenden Nacht sollten wir dort nocheinmal vorbeikommen und ich durch eben diesen Exoten das erste Mal den Planeten Uranus beobachten.

250/5000 Schiefspiegler auf CGE

Der Himmel war inzwischen gegen Spätnachmittag Abend, fast vollkommen wolkenlos, lediglich sehr hartnäckiger und auch hochreichender Dunst am Horizont störte. Man merkte förmlich die Spannung, unsere Teleskope trugen wir alle recht nah auf einen Haufen am südlichen Rand des Platzes wo sich dann doch mehr als ein Dutzend Dobsonanhänger mit ein paar eingestreuten Paralaktikern und Franz' SCT drängten. Mit eben diesem gab es noch einige Probleme, die Justage war wohl durch den Transport vollends hinüber und es dauerte eine ganze Weile bis es wieder halbwegs gute Bilder zeigte, zu Beginn der Beobachtungen wurde nochmal am Stern justiert was ein ansehnliches Bild brachte, leider taute die Schmidtplatte relativ schnell zu.

Unser Zelt mit dem 8" und 10" GSO dahinter (HDRI)

Vor der Dämmerung die letzten Vorbereitungen, ich schraube noch immer an meinem OAZ :)

Gegen 20:30 wird es ernst und Jupiter ist natürlich das erste sichtbare Objekt das beobachtet wird.

Durch den immensen Horizontdunst war der Himmel zunächst sehr unterdurchschnittlich aber im Laufe der Dämmerung gewannen doch die ein oder anderen Objekte mehr an Brillianz und wir waren alle froh nach der letzten bewölkten Nacht überhaupt beobachten zu können. Natürlich wurde zwischendurch auch viel von Gerät zu Gerät gewandert, geplaudert, Okulare getauscht und verglichen. Interessant war der ausgiebige direkte Vergleich des 10mm Speers mit dem 11mm Nagler von Nils, die meisten Objekte bekam ich durch beide zu sehen, das Nagler war keine Welten aber doch bemerkbar besser was die Schärfe und den Kontrast anging. Den Anfang machte Jupiter der zwar schon recht tief stand aber doch schon einiges zeigte, natürlich war er das erste Gestirn was mit der hereinbrechenden Dämmerung mit blossem Auge gesehen werden konnte. Die Mondstellung war sehr interessant, dazu eine kleine Skizze.

Computerskizze

Nun wurde es schrittweise dunkler und die ersten DS Objekte wurden aufs Korn genommen, natürlich noch weiter unter ihren Möglichkeiten, bei der Gelegenheit wurde noch ein Asti an Nils Spiegel festgestellt den er aber wohl inzwischen schon durch Lockern der Spiegelklemmung wegbekommen hat. Wir waren zwar alle froh endlich zum Beobachten zu kommen aber auch nach Dämmerungsende blieb der Himmel eher unterdurchschnittlich bei etwa 5,6mag und enormen Horizontdunst. Gegen 23:30 zog sich dieser immer höher und innerhalb weniger Minuten war der Himmel plötzlich wieder komplett dicht, zwar schienen einige sehr helle Sterne noch durch die Suppe aber ans Beobachten war erstmal nicht mehr zu denken. Leider nahmen das viele zum Anlass die Geräte wieder einzupacken oder gar schlafen zu gehen, denn nach nur einer Stunde riss der Schleier wieder auf und darunter kam ein weitaus besserer Himmel zum Vorschein als zu Beginn der Nacht. Ich habe (bisher) nur die Einschätzung der Leute um mich herum, demokratisch gesehen kamen wir auch 6,1mag in UMi, einige sahen mehr, einige weniger, den 6,1mag Stern im kleinen Wagen konnte ich indirekt aber persönlich sicher halten. Natürlich wurde viel beobachtet und verglichen und nochmehr fachgesimpelt, nun aber zu den Objekten im üblichen Stil aufgelistet:

HER

  • M13 und NGC 6207: M13 war wohl das erste Objekt bei den meisten, im 16"er war es noch in der Dämmerung äusserst mau, in meinem 8"er später bedeutend besser mit Auflösung bis ins Zentrum und feinen Sternketten, nochmals besser im 10"er und 12,5"er. Die nahestehende Galaxie NGC 6207 hab ich mir erstmal ganz frech im 16"er angeschaut und sie danach natürlich auch problemlos bei mir gesehen, immer wieder schön diese beiden so unterschiedlichen Objekte in einem Feld zu sehen (14mm Speers Waler). Auch in Franz' 10" SCT sah M13 wunderbar aus, ebenfalls einen Tacken besser als bei mir im 8"er.
  • M92: Nur mit 20" kurz beobachtet, fantastisch aufgelöst und hell

CYG

  • M29: Einer der eher langweiligen Sternhaufen mit kastiger Form, nurz kurz beobachtet, auch mit dem 10x50 Fernglas.
  • NGC 6960 und NGC 6992: Der Cirruskomplex sah mit 8" sehr beeindruckend aus, um 51 Cygni schlängelt sich der Sturmvogel mit einigen schwachen Filiamenten durch das Gesichtsfeld des 30mm Reese + Baader OIII, noch wesentlich beeindruckender und sehr strukturiert die Knochenhand. Unschlagbar war Cirrus an Günthers Doppelgerät, im 4" f/5 mit Baader OIII und 28mm UWAN beide Nebelteile fantastisch in einem Feld, genau das will ich auch :o) Ein kurzer Schwenk zum OAZ des 8"ers und es kann mit höherer Vergrösserung weitergehen, eine geniale Kombination.
  • NGC 7000 / IC 5067: Ebenfalls in Günthers Spiegel/Linse Kombination beobachtet, besonders beeindruckend im Richfielder denn mit dem kleinen Orion in der Mitte positioniert war der Pelikannebel IC 5067 ebenfalls im Gesichtsfeld zu erkennen und Nordamerika komplett ist unschlagbar.

PER

  • NGC 869/NGC 884: h+x dürfen natürlich in keiner Nacht fehlen, an ihnen bemerkte ich gegen 2:30 Uhr dann auch dass mein Fangspiegel beschlug als sie trotz klarsten Himmel plötzlich auf 2" Niveau einbrachen, zehnminütiges Wärmen mit der Hand brachten wieder eine Stunde Ruhe in Sachen Tau, ein Hoch auf FS-Heizung wie sie einige bei uns hatten ;)
  • M34: Netter konzentrierter Sternhaufen, in der Nähe suchte ich die 10m Gx NGC 1023 auf, dummerweise ohne Erfolg... ein kurzer Schwenk zur genauso hellen NGC 404 sagte mir dass ich wohl einfach daneben lag, denn die war natürlich problemlos zu beobachten.

CAS

  • NGC 457: Ein wunderschöner Sternhaufen, entdeckt von Caroline Herschel und auch als Eulenhaufen und sogar als ET-Haufen bekannt ist, warum soll die grobe Skizze zeigen die ich in mein Notizheft gezeichnet und am Rechner abgepaust habe:

  • M52: Der wirklich schöne offene Sternhaufen M52 wollte ich als Aufsuchhilfe für NGC7635, den Bubblenebel nutzen, den knackte ich aber nicht, wohl auch weil ich ihn kurz vor dem ersten Zuziehen versuchte und so keine Zeit mehr hatte den OIII zum Einsatz zu bringen. Besonders interessant war M52 aber auch wegen des benachbarten:
  • Czernik 43 dieser bedeutend schwächere offene Sternhaufen grenzt fast direkt an M52 an und besitzt eine ähnliche Form und auch Grösse wie M52, nur aus merklich schwächeren Sternen die sich nicht ganz so leicht vom Hintergrund abheben.

AQR

  • Uranus: Zum ersten Mal überhaupt sah ich den entfernten Gasplaneten und das auch eher durch Zufall als Nils, Heiko und ich über den Platz schlenderten und beim 10" Schiefspiegler stehen blieben, der Besitzer lies uns gerne mal einen Blick durch dieses Gerät riskieren, der kämpfte wie wir auch ob der extremen Luftfeuchtigkeit bereits mit Tau, nicht nur am Okular, der Planet zeigte sich aber trotzdem problemlos als leicht grünliche Scheibe, die Vergrösserung habe ich mir leider nicht gemerkt.

AND

  • M31/32/110: In dieser Nacht war nur ein Staubband klar sichtbar, mit dem zweiten tat ich mich zu der Zeit als ich die Gx anschwenkte sehr schwer.
  • NGC 404: Mirachs Geist begeistert immer wieder durch den Kontrast zum hellen Mirach.

TRI

  • M33: Die Dreiecks Galaxie war mitunter sehr gut zu beobachten und zeigte auch schon Ansätze von Struktur, in jedem Fall war die helle HII Region NGX 604 problemlos mit verschiedenen Öffnungen zu beobachten.

TAU

  • M45: Die Plejaden begleiteten uns durch die halbe Nacht, mit blossem Auge und Fernglas immer wieder am schönsten, später bei hohem Stand immer wieder ein toller Blickfang am Himmel und Vorbote des Winters.
  • M1: Der Krebsnebel war detaillos bereits frühzeitig zu beobachten.

GEM

  • M35: schwach und wenig beeindruckend ob des tiefen Standes.

AUR

  • M36/37/38: Auch an diesen Objekten bemerkte ich dass mein Fangspiegel zugetaut war und etwas Handwärme brauchte, später dann bereits wunderschön anzusehen

PEG

  • NGC 7331: Zu späterer Stunde versuchte sich eine Gruppe um Armin an Stephans Quintett im Pegasus, ein arg dunkler Galaxienhaufen, als Aufsuchhilfe dient die wirklich schöne Spindel NGC 7331, mit 8" problemlos und in 12,5" schon richtig beeindruckend, blieb den meisten Stephans Quintett unter ca 6,1mag Himmel verborgen, im 12"er sah jeder Dritte ein schwaches Etwas aufblitzen aber wirklich gut zu halten war auch das nicht, ich selbst sah nichts an der Stelle.

ORI

  • M42: Weniger um etwas zu sehen sondern eher um den Orionnebel auch mal im August beobachtet zu haben schwenkte ich in den Orion, ausser dem Trapez war bei etwa 8° überm Horizont im tiefsten Nebel nur ein schwacher Bereich des Zentrums zu sehen.

Nach dem mein Fangspiegel das zweite Mal zutaute, stellte ich mein Equipment gegen 4 Uhr in Schlafposition und blieb mit den anderen noch an den nichtzugetauten Geräten, der Himmel war nach wie vor gut, nur der Nebel kroch wieder höher, zum Ende hin war der Bodennebel derart stark, dass die nächste Zeltreihe schon kaum noch zu sehen war, trotzdem wurde es 5 Uhr früh, der Orion stand bereits komplett über dem Horizont, ins nasse Zelt.

Da wir leider am nächsten Vormittag bereits frühzeitig die Zelte abbrechen mussten, ging es nach 3 Stunden Schlaf schon wieder aus den Federn und uns blieb noch einige Zeit um noch einmal über den Platz zu schlendern, uns von Bekannten zu verabschieden und noch einige Geräte zu fotografieren. Schick fand ich noch den Tchiboselbstbau von Heiko, einem Bekannten von Nils, da ich ja selbst schon einen Dobson aus dem kleinen Spiegel gebaut hatte fand ich seine Konstruktion schon wesentlich feinfühliger und stabiler in der Bewegung.

Nils am Tchibodobson von Heiko

Ein weiterer schöner 12" Selbstbau

Fred hat keine Stromsorgen :o)

Das Treffen war auch wenn wir es nicht von Anfang bis Ende geniessen konnten einfach fantastisch und hat einen Heidenspass gemacht, im nächsten Jahr bin ich in jedem Fall wieder dabei. Vielen Dank!

 


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