nav

 

Datum 26.Dezember 2008
Zeit 20:00 bis 23:10 Uhr
Ort Feld im Taunus
Wetter sehr klar
Seeing gut
Grenzgröße 6,4m
Geräte 200/1200 - 250/1250 - 75/500

Dass diese Nacht von besonderer Qualität sein würde zeichnete sich bereits ab, der Tag war ungewöhnlich klar. Gegen 20 Uhr traf ich mich mit Stefan und Oliver am Platz. Schon nach dem Ankommen stellten wir fest, dass so wie sonst nicht so brennende Wintermilchstrasse über den gesamten Himmel klar und strukturiert rüber kam! Von diesem Anblick erschlagen begann ich mit dem Aufbau, Oliver's kleiner Pentax und Stefan's Lightbridge waren bereits einsatzbereit.

Viele Objekte dieses Abends waren heute besonders eindrucksvoll, allen Voran natürlich wieder einmal der Orionnebel, der in allen Geräten und wirklich allen Vergrösserungen unglaubliche Detailvielfalt zeigte, selbst bei über 240x war der Kernbereich um das Trapez von feinsten Nebelfiliamenten durchzogen und hätte eine stundenlange Zeichnung gerechtfertigt - aber heute war der Himmel zum echten weihnachtlichen Genußspechteln da. Mit bis zu -7° war es von erfrischender Kühle ;) Echte Highlights waren auch M31 im Pentax, wo er bei nur 12x eine immense Ausdehnung und trotzdem schon hervorragend beide Begleiter zeigte und auch der Eskimonebel, der bei mir bei 244x einfach genial aussah (siehe Skizze unten). So ein Himmel sollte aber nicht nur einfach als "mmh sehr gut, über 6mag" beschrieben werden also namen wir uns einige Zeit die Grenzgröße genau zu bestimmen. Um Polaris waren schnell einige Sterne bis über 6mag sichtbar, ein 6,3mag Stern war problemlos dauerhaft zu halten und ein 6,4mag Stern war ebenfalls sicher und immer wieder sichtbar! Oliver sah sogar blickweise M33 (!), mir ist das leider nicht gelungen, er hat aber im Gegensatz zu mir, M33 schon des Öfteren unter den extrem guten Bedingungen am Roque auf La Palma gesehen, so dass er genau wusste worauf zu achten ist.

Der Himmelsjäger, zu Beginn erst gerade über den Wald gekrochen

Obwohl wir zunächst annahmen, dass die Luftfeuchtigkeit ausserordentlich niedrig liegt (die Transparenz sprach auch dafür), so waren unsere Tuben doch nach einiger Zeit mit einem Eispanzer überzogen, trotzdem blieben die Peiler und Fangspiegel frei, einen Schildbürgerstreich leistete ich mir nur am Ende mit meinem 30er Okular das ich aus Versehen anhauchte und das es dann unbedingt für nötig hielt sofort einzufrieren :) Egal, genug Okulare dabei, das 4,9mm Speers Waler bekam ebenfalls sein Firstlight und begeisterte hochgradig (vor allem am Eskimonebel). Gegen 22 Uhr machte sich die Kälte bemerkbar und Stefan entschied zusammenzupacken, auch mir wars nicht mehr allzu mollig um die Finger aber da ich ansonsten polartauglich eingepackt war ging es noch mit Oliver weiter. Der musste dann gegen 23 Uhr auch seinen (weiten) Heimweg antreten und so hieß es dann auch für mich zusammenpacken - die Heimfahrt reichte knapp um wieder Gefühl in die Gesichstnerven zu bekommen ;)

Schwan, Leier und Delphin beim Untergang zu Beginn der Nacht

Fazit: Es war wenn auch "nur" drei Stunden, die beste Winternacht die ich dort oben erlebt habe, der Himmel war zum auf die Knie sinken und die Hoffnung, dass noch eine weitere Nacht in 2008 möglich wird, ist da - auch wenn diese Ausnahmenacht ein würdiger Abschluss wäre.

AND

  • M31/32/110: Im 75mm Pentax eine echte Freude mit einer riesigen Ausdehnung.
  • NGC 404: Mirach's Geist immer wieder ein Hingucker.

TRI

  • M33/NGC604: Oliver sah sie blickweise mit bloßem Auge, ich zumindest im Teleskop und das mit der H2 Region am Rande der Galaxie.

PER

  • h+x: Nun wer die nicht jede Nacht besucht ist selber Schuld ;)

CAS

  • M52: Der schöne Sternhaufen begeisterte auch schon mit 75mm Öffnung.

AUR

  • M37/36/38: In meinen Augen am schönsten bleibt M37 mit einer enormen Sternanzahl. Auch sehr schön der Anblick der anderen beiden Haufen im Pentax - in einem Gesichstfeld!

UMA

  • M81/82: Noch nicht sonderlich hoch stehend, doch zeigte M82 begeisternd seine Staubbursts im Kernbereich bei 85x im 14er Speers.

CYG

  • NGC 7000: Ich hätte gar nicht mehr damit gerechnet ihn ob des niedrigen Standes noch auszumachen aber er zeigte sich wenngleich auch nicht so spektakulär.
  • NGC 6992: Noch weniger erhoffte ich mir vom Cirrusnebel, denn dieser stand zum Beobachtungszeitpunkt schon in der Horizontaufhellung - doch erstaunlicherweise zeigte sich die Knochenhand mit OIII Filter nicht nur, sondern hatte sogar noch einige feine Filiamentdetails zu bieten.

TAU

  • M45: Am besten im Pentax, mit 8 und 10" Reflektionsnebel NGC1435 (Filter)!
  • M1: In der Übersicht noch völlig homogener ovaler Fleck, bei 85x (kein Filter) schien die Oberfläche des SNR gemottelt.

ORI

  • M42/43: Der Orionnebel kann praktisch nie langweilig werden, allein die feinsten Details im Bereich des Trapezes, die man auch bei über 240x noch bewundern kann könnte man sich ewig anschauen, OIII Filter arbeitet wiederum ganz andere Details heraus - Bei hoher AP sind die Schwingen des Nebels vorne praktisch geschlossen! Selbst M43 zeigt nicht nur seine "Komma"-Form sondern ebenfalls bereits Struktur in seinem Inneren.
  • NGC 1973: Der Running Man Nebel zeigte sich überraschend gut (ohne Filter) und diesmal sogar schon die Teilung des Nebelkomplexes sichtbar!
  • NGC 1981: Handvoll Sterne
  • NGC 2024: Alnitak im 22er LVW ganz knapp ausserhalb des GF gestellt und er zeigt sich, was bei meinem Übersichstokular nicht geht (Randunschärfe) macht das LVW nun tadellos - Staubstruktur im Inneren des Flammennebels.

GEM

  • M35: Immer wieder ein fantastischer Anblick, interessante Form, Sternketten und eine hohe Sternzahl.
  • NGC 2158: In der Übersichtsvergrösserung ein nur angelöster Nebelfleck in den Ausläufern von M35 zeigt er sich bei hoher Vergrösserung überwiegend aufgelöst.
  • NGC 2392: Der Eskimonebel, schon bei der Aufsuchvergrösserung verrät sich der PN als unscharfer Stern direkt neben einem echten Stern. Geht man höher (85x) tritt seine Flächigkeit ganz offensichtlich hervor, bei 244x dann einfach nur beeindruckend (ohne Filter im 4,9mm Speers), ein heller Kernbereich, drumherum wesentlich unschärfer und ein klein wenig dunkler ein strukturierter Ring! Leider hatte ich kein Zeichenmaterial dabei, aber diese kleine Skizze soll es in Etwa wiedergeben:

MON

  • NGC 2264: Passend zum Tag natürlich auch ein Weihnachtsbaum, schön anzusehen
  • NGC 2237: Schnell aufgefunden, zunächst fällt der Haufen auf aber mit OIII Filter zeigt sich auch der Nebel selber, leider war das der Moment als mein 30er Okular zufror, so konnte ich den Rosettennebel nur kurz beobachten.

CNC

  • M44: Auffällig für das bloße Auge, für mein Teleskop ist der helle Haufen einfach zu groß, der Haufencharakter geht verloren.
  • M67: Schöner offener Sternhaufen

LEO

  • NGC 2903: Der Löwe kämpfte sich erst langsam über den Wald, so dass die Galaxie die einzige dieses Abends im Löwen blieb, auch wenig beeindruckend durch den tiefen Stand.

 

8