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Datum 25.Oktober 2008
Zeit 19:30 bis 5:00 Uhr MESZ
Ort Benzweiler / Hunsrück
Wetter Boden- und Horizontnebel
Seeing -
Grenzgröße ~ 5,8mag
Geräte 8" f/6 10" f/5 6" f/5 10" f/10

Das 2. "HUTT" bei Nils im Hunsrück war wettermässig ein Glücksspiel, Tage vorher wechselten die Prognosen zwischen Regen, Bewölkung und nur leichter Bewölkung hin und her und pünktlich um 12 Uhr des Samstags kam die Prognose: Klar mit Cirren. Also ging es Abends Richtung Hunsrück. Insgesamt fanden wir uns zu Siebt auf einem Feldweg nahe Benzweiler ein, die anderen hatten schon alle aufgebaut und langsam wurde es dunkel genug für die ersten Beobachtungen. Schnell war klar: Die Nacht wird feucht! Und zwar sehr feucht wie sich noch zeigen sollte. Der Himmel war streckenweise nicht überwältigend, aber hatte eindeutig sehr gute Abschnitte, er profitierte in jedem Fall nochmals von der Nachtabschaltung gegen halb eins, kurz danach unterbrachen wir die Beobachtung allerdings für etwa 2 Stunden um die Okulare zu trocknen, ausnahmslos alle Teleskope wurden früher oder später vom Tau heimgesucht, mein Fangspiegel taute zeitgleich mit dem von Nils zu der im Gegensatz zu mir eine ordentlich dimensionierte Taukappe aufgesetzt hatte, ich denke hier zeigte sich was meine Isolierung bringt, eine Taukappe kann vieleicht noch eine zusätzliche halbe Stunde rausholen. Tau war zwar immer wieder präsent aber auch kein allzu grosses Problem, denn dank der Nähe zu Nils Haus war bis ins Feld Strom für den Föhn verlegt ,) Wir begannen mit einer kleinen Sternführung für diejenigen die erst frisch zur Astronomie gekommen waren und spannten so den Bogen von den zirkumpolaren Sternbildern zum Sommerhimmel und dann zum Herbsthimmel.

Gegen 4:30 (MESZ) da waren's nur noch drei.. (Jan, Nils, ich)

Der Stimmung tat das ohnehin keinen Abbruch, die war nämlich wie nicht anders zu erwarten mit so viel Gleichgesinnten einfach super. Natürlich wurde auch interessiert Equipment ausgetauscht und ausprobiert. Die Nacht brachte das Firstlight für das "neue" 22er LVW, zunächst peilte ich das Gebiet um Sadr mit dem Sternhaufen NGC 6910 an, mit dem 30er Reese zeigten sich zum Ran wie gehabt immer stärker werdende Unschärfe mit verzogenen Sternen, dann durfte ich das 25er SWAN von Williams mit 72° von Jan ausprobieren, der Gesichtsfeldunterschied war zu merken, Randunschärfe ebenfalls vorhanden wenngleich nicht im selben Umfang wie beim 30mm Reese. Dann kam das 22er LVW an die Reihe - wow eine sehr lohnende Anschaffung, nicht grundlos wird das Okular als endgültige Lösung empfohlens! Gestochen scharfe Sterne bis zum äussersten Rand des Gesichtsfelds, ich denke dieses Okular werde ich immer gerne in Sternreichen Gebieten und bei offenen Sternhaufen einsetzen, ich wiederholte den Test bei M45 und h+x. Ebenfalls von Jan stammt das Hyperion Zoom das ich zum ersten Mal in der Hand hatte, eine wirklich nette Spielerei die bei Trips mit leichtem Gepäck gerne mal den kompletten Okularkoffer ersetzen kann. Natürlich sind Zoomokulare, zumindest nicht solche über einen solchen Brennweitenbereich (8-24mm) in der Lage Festbrennweiten qualitativ zu ersetzen aber für zwischendurch bzw, unterwegs erfüllt das Okular seinen Zweck und das so gut wie ich das bei keinem ähnlichen Zoomokular bisher gesehen habe. Das TS Zoom bleibt sowohl mechanisch als auch optisch weit zurück und auch das immer mal wieder emfohlene Seben kann hier nicht mithalten. Meine Erinnerung an ein Meade Zoom sind schon etwas älter und es stand nicht zum Vergleich zur Verfügung aber weder verfügte es über Klickstopp noch über 68° Gesichtsfeld bei niedrigster Brennweite. Das Gesichtsfeld des Okulars steigt beim Vergrössern von nur knappen 50° bis zu vollen 68° wobei 50° natürlich einen argen Tunnelblick mit sich bringen. Von der Schärfe konnte bei den langen Brennweiten nicht allzusehr überzeugen bei den niedrigeren wurde es merklich besser.(Zoom von 24 auf 8mm an M36 und chi Persei). Die Herstellerangabe dass das Okular homofokal ist kann ich allerdings nicht nachvollziehen es musste stets nachfokussiert werden.

Im Laufe der Nacht kamen einige Standardobjekte ins Okular, für extravagante Objekte war die Durchsicht leider nicht optimal genug aber in einigen Momenten gab es höchst beeindruckende Blicke, wie bspw. auf M27 der eine überdurchschnittliche Menge an Details zeigte. Wie wichtig die richtige Kleidung ist konnte man an dem Abend auch mal wieder live erleben ;) Ich hatte an dem Abend meine geplante Winteraustattung angezogen (Stück für Stück wurde das nötiger) und schätzte die Temperatur durchgehend fast 10° wärmer ein als es tatsächlich war, deshalb schaute ich auch erstmal sehr ungläubig als mir Jan gegen Mitternacht ein vereistes Stativ unter die Nase hielt! Wow, tatsächlich waren die Temperaturen heftig in den Keller gerutscht und dank der vorherigen Taudusche war das Equipment bald mit einem dicken Eispanzer überzogen. So bröckelte dann auch die Menge der Leute auf dem Feld und nach der Trocknungspause in der der Nebel sehr dicht zuzog waren wir nur noch zu Dritt. Der Orion war nun bereits auf einer mehr als beträchtlichen Höhe und die Details einfach fantastisch! Mit Filter gewann er nochmals und zeigte weitausufernde Schwingen...

30s Einzelbild

Eispanzer am Auto und...

..auch auf dem Equipment

So kamen wir erst gegen 5 Uhr (MESZ, 4 Uhr MEZ) dazu uns auf die Heimfahrt zu machen, hätte ich gewusst was mich auf der Autobahn erwartet hätte ich den Nebel am Beobachtungsplatz nicht so verflucht, auf dem Weg Richtung Mainz gabs öfter mal weniger als 50m Sicht, aber gegen 6 Uhr (5 Uhr) angekommen wurde ich noch durch eine dünne Mondsichel am Osthorizont belohnt.

CYG

  • M29: Einer der langweiligeren Sternhaufen wie ich finde
  • M56: Ein kleiner schwacher Wattebausch im 30er, nicht ganz aufgelöst mit 10mm Speers
  • NGC7000: Schwach ohne Filter, gut aber nicht überragend mit OIII in 8" schon besser mit 10"

VUL

  • M 27: Sehr beeindruckend, ohne Filter sehr hell mit charakteristischer Hantelform und Helligkeitsverdichtung an den Enden, mit Filter "Henkel" umfassend zu sehen (8" / 10")

SGT

  • M71: teilweise aufgelöst bei 120x

LYR

  • Epsilon Lyrae: Sehr gut bei 120x im 8"er getrennt, an ihm offenbarte sich ein Astigmatismus an Jan's Spiegel, aber damit muss ja anscheinend jeder zweite GSO erstmal ausgeliefert werden und kann relativ problemlos rückgängig gemacht werden ;)

ORI

  • M42: Grandios, weit ausgreifende Schwingen die sich wieder nähern aber ob der Transparenz noch nicht zusammenstossen, M43 ebenfalls als fettes "Komma" zu sehen. Mit OIII anders, auf ganz andere Art beeindruckend. Auch in diversen Ferngläsern immer wieder einzigartig.

TAU

  • M45: Genial im 31er Nagler im 10"er, passt zwar nicht mehr ganz rein aber dafür sind die Reflexionsnebel zu sehen.
  • M1: Krebsnebel - als ovaler Nebelfleck ohne Details sichtbar.

PER

  • h+x: Wie immer eines der schönsten Objekte überhaupt, musste für viele Vergleichstests herhalten.
  • M34: Heute nicht sonderlich beeindruckend da das Gerät gerade zutaute

AND

  • M31: Nur kurz besucht.

TRI

  • M 33: Nur im 10x50 gesehen.

AUR

  • M36-M38: Auch hier wurden einige Okular ausprobiert.

GEM

  • M35: Zum Beobachtungszeitpunkt noch unspektakulär

PEG

  • NGC 7331: Beim Aufsuchen von Stephan's Quintett natürlich gesehen, das Quintett selber war in 10" wieder ein Nervenspiel, eindeutig war da nichts zu machen bei der Transparenz.

UMA

  • M81/82: Der 10"er zeigte bei M82 bereits problemlos die Staubstrukturen

Alles in Allem ein toller und spannender Beobachtungsabend der dann tatsächlich 9 Stunden dauerte und durch das Umstellen auf die Winterzeit begünstigt wurde. Ich freue mich in jedem Fall auf ein Wiedersehen mit den Leuten vom 2. "HUTT" ;)