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Zeichnen am Teleskop

Das Zeichnen am Teleskop kann zu einem richtigen "Hobby im Hobby" ausarten. Zum einen schult es den Blick weil man sich bewusst noch mehr auf die Detailerkennung konzentriert und man gibt den zu zeichnenden Objekten auch meist mehr Zeit als beim oftmals schnelleren Wechsel der Beobachtungsobjekte.

Für mich sind zwei Dinge am Zeichnen am schönsten - zum einen kann man auch ohne komplizierte fotografische Ausrüstung das Gesehene festhalten und zum anderen geben Zeichnungen einen natürlichen Eindruck des Okularanblicks wieder, das ist gerade für Einsteiger wichtig, weil sie oftmals von Hochglanzfotos begeistert nicht wissen was sie beim Blick durchs Okular erwarten kann. Natürlich gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Zeichentechniken die auch gänzlich unterschiedlich aussehen. Meine Zeichnungen versuchen nicht das letzte erkannte Detail stark hervorzuheben sondern einen "natürlichen" Anblick zu schaffen der dem am Nächsten kommt was man im Laufe einer Beobachtung erkennen kann.

Gestartet wird mit dem Auffinden und ersten Betrachten des Objekts das gezeichnet werden soll. Auch die Vergrösserung bei der gezeichnet wird muss entschieden werden. Los geht es bei mir mit den Feldsternen die ich möglichst akurat mit Bleistift in meine Rohskizze einzeichne (die später als Grundlage für das endgültige digitale Bild dient). Die verschiedenen Sternhelligkeiten werden durch unterschiedlich dicke Sterne symbolisiert. Nun kommt das eigentliche Objekt an die Reihe, handelt es sich um einen Nebel wird dieser mit einem weichen Bleistift vorsichtig Stück für Stück in möglichst korrekter Lage und Position in die Skizze eingezeichnet, dann werden nach und nach die Details die man im Laufe der Beobachtung erhaschen kann (oder auch nicht) in die Zeichnung integriert. Eine genauere Beschreibung der Skizzenentstehung (was ja bei den Zeichnern die ausschliesslich mit Papier arbeiten wesentlich komplexer ausfällt) kann ich nicht geben, zu unterschiedlich sind die Objekte und meist entscheide ich ad hoc ob ich bei einem Nebel auch mal mit dem Finger etwas verwische oder Details nur schematisch eintrage.

Wichtig ist mir die Zeichnung möglichst zeitnah nach der Beobachtung fertigzustellen um ausser auf der Skizze auch auf meinen frischen Erinnerungen aufbauen zu können, deshalb nehme ich mir meist maximal zwei Objekte vor und setze mich auch mal nachts um zwei nach der Heimfahrt gleich an der Rechner...  

Wie nun vorgehen? Der Computer und moderne Bildbearbeitungsprogramme ersetzen zu einem Gutteil die manuelle Geschicklichkeit die wahre Zeichenkünstler an den Tag legen, den grossen Vorteil sehe ich in der Reproduzierbarkeit bestimmter Effekte, den umfangreichen Werkzeugen der Grafikprogramme und vor allem: Die Möglichkeit Fehler problemlos wieder rückgängig machen zu können. Welches Programm das geeignetste ist kann man nicht beantworten, viele moderne Grafikprogramme aus dem Vollpreis- aber auch Shareware- und Freeware-Bereich haben leistungsfähige Filter und Möglichkeiten zur Gestaltung. Als wichtigstes Kriterium würde ich die Möglichkeit sehen mit Ebenen zu arbeiten. Eine kleine Auswahl an Programmen die sich besonders eignen: Corel Photopaint, Adobe Photoshop, Jasc Paint Shop Pro, Gimp und andere.

Ein Beispiel wie eine Zeichnung am PC entstehen kann will ich im Nachfolgenden zeigen, natürlich erfordern verschiedene Objekte auch unterschiedliche Techniken, so wird ein unaufgelöster Sternhaufen mit anderen Filtern bearbeitet als eine schwache Galaxie, deshalb soll der nachfolgende Teil nur als eine von vielen Möglichkeiten angesehen werden...

Der Beginn sieht erstmal ähnlich dem bei der Skizze aus, die Feldsterne werden in eine Vorlage (mit nebenstehenden Angaben zu Gerät, Objekt, Okular usw.) eingesetzt und positioniert. Bis vor kurzem habe ich die Sterne unterschiedlich produziert, mal als verschieden grosse Punkte mal mit einem speziellen Program namens Universe Image Creator, inzwischen nutze ich aber eine Auswahl an Sternen die Daniel Restemeier hergestellt hat und die wir noch etwas an unsere jeweiligen Bedürfnisse angepasst haben. Diese werden einfach aus der Vorlage kopiert und eingefügt.

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Die Zeichenvorlage und rechts daneben die Sterne nach Helligkeiten sortiert

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Sind die Sterne eingezeichnet geht es ans eigentliche Objekt.

Das Objekt, als Beispiel nehme ich mal eine fiktive Galaxie wird auf eine neue Ebene gezeichnet, dazu wird eine neue leere, also nicht mit irgendeiner Farbe gefüllte Ebene angelegt, in dieser ensteht nun das neue Objekt

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ich beginne nun meist damit den Nebel in seinen groben Umrissen zu zeichnen, bei unserer fiktiven Galaxie arbeite ich mit verschiedenen Grautönen um beispielsweise auch einen hellen Kernbereich darzustellen. Das ganze sieht erstmal sehr plakativ und unrealistisch aus, die grobe Form und unterschiedlichen Helligkeiten sollten bei diesem ersten Schritt schon einigermassen genau eingezeichnet werden, die eigentlich Form und Details erhält die Zeichnung aber erst im nächsten Schritt. 

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Nun geht es darum die Form und den Helligkeitsverlauf des Nebelobjekts im Detail nach Beobachtungsskizze und den frischen Erinnerungen zu gestalten, dazu nutze ich verschiedene Werkzeuge wie "verschmieren". Im Beispiel war das nicht sehr schwer weil ja kein reales Objekt zu Grunde liegt, will man aber ein echtes DS Objekt akurat darstellen wird man in diesem Schritt eine Menge Zeit verbringen und auch das ein oder andere Mal ein paar Schritte zurück machen müssen...

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Hat man nun in diesem Schritt die Details herausgearbeitet geht ist im Weiteren darum das Aussehen den wahren Gegebenheiten im Okular anzugleichen (viele andere Zeichner möchten aber genau dies nicht sondern wählen einen eher "kantigen" und kontraststarken Stil der zwar die gesehenen Details besser darstellt aber nicht viel mit dem wahren Anblick im Okular gemein hat, und das will ich persönlich gerne erreichen). Dazu wären erstmal eine sachte Anwendung von Unschärfefiltern (z.B. Gauss) angesagt, denn meist sind Nebel nicht scharf begrenzt sondern verlieren sich diffus nach aussen.

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Auch hier muss man mit den Einstellungen spielen um das richtige Mass für das jeweilige Objekt zu finden.

Im (vor)letzten Schritt passe ich noch die Helligkeit des Nebels an, er ist in den meisten Fällen noch bedeutend heller als er es tatsächlich im Okular ist, am einfachsten geht das meistens indem man die Deckkraft der Objektebene etwas zurücknimmt bis man meint den richtigen Wert gefunden zu haben, im Beispielfall um die 60%.

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Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, trägt man noch alle beobachtungsrelevante Daten ein und voilá eine Zeichnung ist entstanden. Im Beispielfall habe ich dafür nur etwa 15-20min gebraucht weil ich mich an keine Vorgaben zu halten hatte, in Wirklichkeit sitzt man meist bedeutend länger an einer Zeichnung, ebenso wie die Bearbeitung von Fotos ist man erstmal nie zufrieden :-)

Ich hoffe mit diesem Artikel die Lust aufs Zeichnen beim ein oder anderen geweckt zu haben, schaut euch einfach mal in meiner Galerie um, noch besser auf den hervoragenden Zeichnerseiten die ihr in meinen Links findet.

© 2009 Benny Hartmann