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Spiegelreinigung & Mittelmarkierung

Der 'verknosterte' Zustand meines betagten Vixen R130S den ich vor kurzem erstanden habe zwang mich dazu mich zum ersten Mal mit dem Thema Spiegelreinigung zu befassen. Im Internet hört man allerlei Tipps zu dem Thema, allen voran: Lass es sein!

I.d.T. ist es wohl so, dass Staub und ähnliches sich kaum auf die Abbildungsqualität auswirkt und man es deshalb tunlichst vermeiden sollte mit einer Lampe in den Tubus zu leuchten, er sieht eigentlich immer 'zu dreckig' aus. Auf dem R130S war praktisch kein Staub, dafür aber milchige Verkrustungen die mir eine Spiegelreinigung doch notwendig erscheinen liesen. Immerhin weiß ich vom Vorbesitzer, der das Gerät etwa fünf Jahre hatte, dass er es in dieser Zeit nicht gereinigt hatte, das genaue Alter weiß ich auch nicht, aber etwa 10 Jahre dürften realistisch sein.

Wie dem auch sei, ich entschied mich das Teleskop zu zerlegen, da ohnehin eine Mittenmarkierung angebracht werden muss und ich die Justageschrauben überprüfen musste, weil sie beim Justieren ein seltsames Verhalten zeigten (wie Durchrutschen). Um den Spiegel möglichst schonend zu reinigen wollte ich nach Möglichkeit kontaktlos arbeiten und auch nicht mit 'harten Sachen' zu Leibe rücken.

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Am Anfang stand logischerweise das Zerlegen des Tubus, der Okularschlittenauszug nebst Einarmfangspiegelspinne war schnell demontiert. Der FS scheint im Gegensatz zum HS kaum verschmutzt zu sein. Etwas tricky war der Ausbau der Spiegelzelle, meine Arme waren gerade so lang genug um die Kontermuttern festzuhalten.

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So sah es dann nach dem Ausbau aus, links der Okularschlittenauszug mit der FS-Spinne.

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hier sieht man nochmals schön die Verschmutzung, auch wenn es das Foto glauben machen könnte, es ist praktisch kein Staub dabei, sondern nur Flecken.

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Um die Flecken anzuweichen legte ich den Spiegel für etwa 20 Minuten in eine leichte, lauwarme Spüli-Wasser-Lösung. Den Eimer habe ich vorher mehrmals mit Leitungswasser ausgespült damit nicht am Ende noch mehr Dreck auf dem Spiegel landet :-)

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Und das ist der Spiegel nachdem ich ihn mit etwa einem Liter destiliertem Wasser über dem Eimer abgespült habe, destiliertes Wasser um Flecken beim Trocknen zu vermeiden. Ich habe den Spiegel senkrecht hingestellt, dass ein Großteil des Wassers einfach ablaufen kann.

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Zum Schluss tupfte ich mit einem weichen Küchentuch vorsichtig die übriggebliebenen Wassertropfen ab, bei den saugfähigen Küchentüchern kann man das wenn man vorsichtig ist ohne Kontakt mit dem Spiegel, das Tuch saugt bei Berührung mit dem Tropfen selbigen einfach auf.

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Und so schauts nun aus, unten der ungereinigte Fangspiegel, die verbleibenden hellen Flecken am Rand des HS liegen unter der Spiegelklemmung, wahrscheinlich irgendein Abrieb von der Gummiauflage, da ich den Spiegel ohne Kontakt reinigen wollte und die Stelle ohnehin irrelevant ist bleibts so :-) Somit ist er jetzt sicher nicht hochsauber aber doch wesentlich sauberer als zuvor und die nächste Reinigung wird wieder ein paar Jährchen auf sich warten lassen können.

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Nun fehlt noch die Mittenmarkierung - Tja blöd, der Zirkelkasten ist im Umzug untergegangen was nun? Erst mal den Spiegel vorsichtig auf ein Din A4 Blatt legen und umzeichnen. Jetzt die Mitte finden, wie? Mit Lineal und Geodreick ein Quadrat um den Kreis ziehen und die Ecken mit einander verbinden, voila die Mitte. Ein winziges Loch hinein und dann vorsichtig, passgenau auf den Spiegel gelegt, ein Klecks Permamentmarker über das Loch und dann vorsichtig einen Lochverstärker an die richtige Stelle maneuvrieren. Die Lochverstärker die ich von früher kenne fand ich heute in vier Läden nicht, nur solche seltsamen rechteckigen Teile, egal Hauptsache ein rundes Loch in der Mitte, aber wieder zu früh gefreut, die Dinger sind transparent! Also nochmal den Marker bemühen und dann das kleine rechteckige Klebequadrat wenigstens etwas in die runde Form bringen. Als die Mittenmarkierung dann endlich an der richtigen Stelle liegt bin ich doch erleichtert. Jetzt geht es an den Einbau.

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Nach einer geschlagenen, schweisstreibenden halben Stunde ist alles wieder montiert, wie befürchtet war das Einbauen der Spiegelzelle nicht gerade einfach - mit der rechten Hand die Kontermuttern tief am anderen Tubusende festgehalten, immer mit der Angst im Nacken den Spiegel wieder zu versauen, und mit der linken Hand die Schraube eindrehen - sechs Stück. Aber auch das wird gemeistert, ich frage mich beiläufig wie das bei 1200mm Brennweite funktionieren soll, wahrscheinlich kann die Spiegelzelle dort einzeln ohne den Randabschluss nach hinten rausgenommen werden, dies ging bei diesem Instrument eindeutig nicht (inzwischen weiß ich, dass der GSO einfach keine Kontermuttern hat), ich dachte kurzzeitig daran dass der Spiegel vieleicht falsch eingebaut war, aber beim Einbau zeigte sich, dass es i.d.T. nicht möglich ist den Spiegel herauszunehmen ohne die Muttern innen zu lösen und alles auf einmal herauszunehmen. Nachdem der Zusammenbau geglückt ist lasse ich mir nun noch ordentlich Zeit für die Kollimation.

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Die neue Mittenmarkierung, auch wenn sie auf dem Foto nicht gut rüberkommt, verrichtet ihren Dienst tadellos.

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Es ist vollbracht - zumindest für den Moment, das Wetter lässt leider keinen Test zu, da werde ich mich noch etwas gedulden müssen, aber es sieht schon mal nicht schlecht aus. Den Grund für die Justageschwierigkeiten die das Gerät bei den ersten Testläufen zeigte, glaube ich auch gefunden zu haben, die aufgeklebte 'Platte' an der Unterseite des Spiegels ist an einer Stelle defekt und sogar das Glas hat schon einen kleinen Muschelbruch abbekommen, dadurch dass ich den Spiegel aber in der Fassung gedreht habe sollte dies nun keine Probleme mehr bereiten.

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Obwohl alles einigermaßen geklappt hat bin ich doch froh, dass Gerät wieder in diesem Zustand zu sehen :-) Muss ich nicht unbedingt jeden Tag machen... Zum Auskleiden mit Velours bin ich leider in diesem Arbeitsschritt nicht mehr gekommen, ich wollte das Gerät aber auch nicht zerlegt herumliegen lassen und so muss dies seperat nachgeholt werden.

Fazit: Bei der Reinigung des Spiegels ist das Zerlegen und insbesondere der Zusammenbau das zeitraubendste und m.E. auch das Kritischste - zumindest wenn man den Spiegel berührungslos reinigt ihn also mehr spült als putzt.

 

© 2009 Benny Hartmann