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Spiegelmittenmarkierung die Zweite

Fast könnte man Gefallen daran finden, nachdem das Anbringen der Mittenmarkierung am Vixen R130S so problemlos geklappt hat war nunmehr das Tchibotorpedo an der Reihe. Eigentlich wollte ich es erstmal so wie es aus dem Regal (bzw. von ebay) kommt auf Herz und Nieren prüfen, deshalb hatte ich es schliesslich ersteigert. Doch der erste Test an der Venus kurz nach Sonnenuntergang bescherte rein gar nichts ausser einem hellen Fleck im Okular. Beim Prüfen mit dem Laser sah ich sofort dass das Teleskop 'leicht' dejustiert war, der Laserpunkt sass weitab vom Spiegel, geschweige denn der Mitte, irgendwo im Tubus!!!

Um keine halben Sachen anzufangen wurde das Instrument schnell zerlegt

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Das ist die Spiegelzelle des Tchibos, der Plastikring der der den Spiegel hält wird durch die drei zu sehenden Schrauben gesichert.

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Hier nun der nackte Spiegel der auf seine Mittenmarkierung wartet, da ich meinen Zirkelkasten im Umzugswust immer noch nicht gefunden habe, ging ich nach der bereits beim Vixen angewandten Alternative vor. Der Spiegel wird auf ein Din-A4 Blatt gelegt und mit einem CD Marker oder ähnlichem umfahren. Dann zieht man mit Geodreieck ein Quadrat um den Kreis und die Schnittpunkte der Quadratecken zeigen die genaue Mittenposition an, ein kleiner Piks mit Nadel oder Schraubenspitze und dann kann man mit einem Faserschreibe einen Punkt genau auf die Spiegelmitte setzten nachdem man die Schablone ausgeschnitten und vorsichtig und passgenau auf den Spiegel gelegt hat.

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Da ich nur eine sehr seltsame Art von Verstärkungsringen im Warenhaus gefunden haben die hochmodern daherkommen nur leider aussen nicht rund und dazu noch transparent sind, wurde einer mit Edding geschwärzt und dann wenigsten etwas in runde Form gebracht. Hier nun das Endergebnis....

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Nicht schön aber selten und ausreichend zur Justage :)

Nach getaner Justage folgte der Test am überaus mauen Himmel auf dem Balkon, mangels Alternativen peilte ich Saturn an. Zunächst wollte ich die mitgelieferten Huygensokulare testen, die zwar immerhin über Glaslinsen verfügen und 1,25" Steckmaß haben, aber da hörten die Vorteile bereits auf. Es war kein Bild im 20mm Okular zu bekommen. Des Rätsels Lösung war so einfach wie überraschend - Der extrafokale Fokkusierweg reichte nicht aus! Durch herausziehen um etwa 4mm bekam ich ein einigermaßen scharfes Bild, die wackelige Montierung dürfte Einsteigern über kurz oder lang das Beobachten verleiden. Ich verzichtete auf weitere Test der mitgelieferten Okulare und setzte zunächst ein 32mm Skywatcher Plössl ein. Hier gab es keinerlei Probleme mit dem Fokus und schon bei der geringen Vergrößerung von 21x war der Ringplanet als solcher zu erkennen, wenn auch noch ohne genaue Trennung von Planet und Ring, die Justage schien also schonmal geklappt zu haben. Danach versuchte ich es noch mit einem 10mm Plössl (also 70x Vergrößerung), das Wackeln der Montierung war nervig aber als sich nach 6-7 Sekunden das Bild stabilisiert hatte, war der Planet nicht eben schlecht zu sehen, der Planetenschatten auf dem Ring war gut zu sehen, das Bild wirkte einigermaßen scharf und es traten keinerlei Reflexe auf.

Vorläufiges erstes Fazit: Das Tchiboskop liegt von der optischen Leistung nicht weit unter dem des 70mm Refraktors, aber:

1.) Die Montierung ist im Serienzustand eine Zumutung und wird schnell den Spass verderben

2.) Wenn es die Regel ist, dass die Geräte in solch einem extrem dejustierten Zustand beim Kunden ankommen, darf man sich nicht wundern dass sie zu hunderten bei ebay auftauchen. Mit minimalem Aufwand (sofern Justierhilfen vorhanden) kann das aber behoben werden, eine Mittenmarkierung würde ich allerdings als unverzichtbar erachten.

Weitere Praxistests mit dem kleinen Spiegel werden folgen.

© 2009 Benny Hartmann